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Die Frauenkirche in der Frauengasse 3 in der Stadt
Baden in Niederösterreich wird erstmals im 13. Jahrhundert in einer
Urkunde des Stiftes Heiligenkreuz als Marienkirche in Baden genannt.In der Seitenkapelle erinnert man an den letzten Kaiser, den seiligen Karl I. von Österreich.

FRAUENKIRCHE - 1285-1812 Klosterkirche der Augustiner Eremiten, 1827-1918 Hofkirche

Die ursprünglich barocke Saalkirche mit einem Schopfwalmdach wurde
1825/26 in klassizistischen Formen unter Johann Nepomuk Amann umgebaut.
Die vorgestellte, im Kern barocke niedrige Doppelturmfassade ist in die
geschlossene Verbauung der Frauengasse eingebunden. Die klassizistische
zweizonige Westfassade mit Putzquaderung, vermutlich von Joseph
Kornhäusel (renoviert 1924 und 1934). Zwischen traufgleichen Türmen, je
mit gaupenbesetzten Mansarddächern über umlaufendem Traufgesims,
befindet sich ein seichter, flach übergiebelter Mittelrisalit. Dem
Rechteckportal mit gerader Verdachung über Volutenkonsolen ist ein
hohes Rundbogenfenster in rechteckiger Putzrahmung und eingestellter
Balustrade übergelagert.

1285 schenkte Leutold von Chreusbach und seine Frau Offemia mit ihren
Kindern die Kirche Unserer Lieben Frau und den angrenzenden Hof den
Augustinereremiten. Kirche und Kloster spielten beim Übertritt Herzog
Friedrich Augusts des Starken (1670–1733), Kurfürst von Sachsen, zum
katholischen Glauben eine wesentliche Rolle: Hier konvertierte er
heimlich am 1. Juni 1697, um König von Polen werden zu können.

1811/12 erfolgte bei einem Belegstand von vier Priestern und drei
Laienbrüdern die endgültige Aufhebung des Klosters. Der Badener
Stadtbrand von 1812 verursachte an den Bauwerken umfangreiche Schäden.
1818 erwarb Joseph Friedrich Freiherr von Haan (1777–1834) die Ruinen
von Kirche und Kloster, ließ beide erneuern (das Kloster von Joseph
Kornhäusel) und verkaufte die Liegenschaft(en) 1826 an den saisonal in
Baden residierenden Kaiser Franz I. 1827 wurde die Kirche wieder
geweiht und 1828 zur Hofkirche erklärt. 1917/18 trat sie als solche
unter Kaiser Karl I. neuerlich in Funktion, 1919 wurde sie als
Frauenkirche der Pfarre St. Stephan als Filiale inkorporiert.

Kaiser Franz I. von Österreich erwirbt das ehemalige Klostergebäude
samt dem erhalten gebliebenen Teil der Kirche. Als kaiserliches
Eigentum wird nun die Kirche in ihrem heutigen Ausmaß fertig gestellt
und im Mai 1827 zur k.k. Hofkirche erhoben. Auf dem südlichen Teil des
ehemaligen Klosters lässt Freiherr von Haan die „Floravilla“ erbauen,
in der auch die Tochter des Kaisers und zweite Gattin Napoleons, Maria
Louise wohnt.

Der junge Sohn Napoleons, Franz Joseph Karl, bekannt als Herzog von
Reichstadt, wird im Sommer des Jahres 1828 in der Frauenkirche gefirmt.
Das ehemalige Kloster dient als Nebengebäude des Kaiserhauses am
Hauptplatz, ehe im Jahr 1866 ein Teil des Klostergebäudes der
Stadtgemeinde Baden zur Unterbringung des Realgymnasiums überlassen
wird. Nach dem Ende der Monarchie wird die kaiserliche Hofkirche zur
eigenständigen öffentlichen Rechtskörperschaft als „Rektorat der
Frauenkirche“ erhoben.


Seitenkapelle: Kaiser Karl I. besuchte hier oft während seines
Aufenthalts in Baden die Messe. Daran und auch an seine Seligsprechung
erinnern Bilder und Tafeln im Inneren der Kirche.

Von 1916 bis 1918 war hier das Armeeoberkommando Österreich-Ungarns
stationiert. Kaiser Karl I., der letzte österreichische Kaiser,
logierte im Kaiserhaus auf dem Hauptplatz, hielt seine Audienzen im
Haus der Kunst und besuchte die Messe in der Frauenkirche. Am 3.
November 1918 wurde von Baden aus die Kapitulationsdepesche der
Monarchie mit der Annahme des Waffenstillstandes an die Alliierten
abgeschickt.
Sel. Kaiser Karl I. v. Österreich (1887-1922)

Kaiser Karl I. hat auch in Baden residiert und gelebt und in dieser Kirche oft den Gottesdienst mitgefeiert.
