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Die Kirche Maria am Gestade in der Inneren Stadt
zählt zu den frühesten Gründungen im mittelalterlichen Wien und ist die
älteste Marienkirche. Ihren Namen erhielt sie topografisch aus der
erhöhten Lage am ehemaligen Steilufer zur Donau. In Anspielung auf die
Stiegen und Stufen ist die Kirche auch als „Maria Stiegen" bekannt. In
die nördlichen Grundmauern sind Spuren von der Befestigung des
römischen Kastells Vindobona eingearbeitet, und der schmale, geknickte
Grundriss der Kirche bezeichnet die mittelalterliche Straßensituation.
Der Legende nach haben hier im 9. Jahrhundert dankbare Schiffsleute
eine Andachtsstätte errichtet. Das Kirchlein wurde 1154 im romanischen
Stil neu gebaut und 1276 erneuert. Die heutige gotische Kirche entstand
in zwei Bauabschnitten im Spätmittelalter.

Das Gotteshaus steht am früheren nördlichen Rand der mittelalterlichen
Wiener Stadtmauer in dicht verbautem Gebiet, umgeben vom Steilhang des
Ritters Griffo. Im Osten lagen mehrere Grundstücke und Gebäude, im
Süden eine Gasse, an die ebenfalls Gebäude anschlossen und im Westen
ein Stadttor, hinter dem eine Stiege hinunter zum Ottakringerbach
führte. Die 1935 bis 1937 nach Plänen des Architekten Hubert Matuschek
neu gestaltete Gasse heißt inzwischen Am Gestade. Nach ihr wird die
Kirche im Volksmund manchmal auch Maria Stiegen genannt. Die lange
Treppe mit dem Kirchengebäude im Hintergrund dient häufig als Fotomotiv
bei Hochzeiten. Das Kirchengebäude ist trotz der begrenzten Baufläche
streng geostet.
Westfassade: Der dreizonige
Aufbau mit Portal, großem Spitzbogenfenster und Giebelbalustrade mit
Kleeblattmaßwerk und Wasserspeiern war für Wien ungewöhnlich aufwendig
und hatte bald Vorbildwirkung auf andere Kirchenbauten, wie auf das
Westfassadenfenster des Stephansdomes und auf die Teynkirche in Prag.
Für die Ausführung dieser wahrscheinlich von Meister Michael
initiierten Ideen sorgte Peter von Prachatitz (1414). In originalen
Blendrahmungen trägt der Dreiecksgiebel Figuren (von oben aus:
Christus, Maria Immaculata, Joachim, Simeon, Moses und David), die in
ihrer heutigen Form aus dem Jahre 1903 stammen. Für den Aufbau der
Fassade haben elsässische und oberrheinische Einflüsse eine Rolle
gespielt, motivische Details der Portale hingegen entstanden im
Wechselspiel mit Bauformationen Peter Parlers am Prager Veitsdom
(Parler-Gotik). Die Dombauhütten in Straßburg, Freiburg, Köln, Ulm und
Prag standen durch wandernde Steinmetze - in Maria am Gestade hat man
über 400 Steinmetzzeichen gefunden - im regen gegenseitigen Austausch.
Sowohl das Portal an der Westfassade wie auch das Seitenportal zum
Langhaus der Kirche sind durch freitragende Baldachine mit
Sternrippengewölben und überdimensionierten Kreuzblumen gekrönt. Auch
für diese Idee dürfte Meister Michael Pate gestanden haben. Das Mosaik
im Westportal stammt von Albert Neuhauser (1901). Die in der
dreipassförmigen Laibung liegenden vier Propheten sowie die
halbfigurigen Reliefs mit Johannes dem Evangelisten und Johannes dem
Täufer am Westportal
entstanden um 1400. Die Gewändestatuen links sind von Franz Erler
(1898): die hll. Paulus, Johannes der Täufer, Theresia von Avila und
Hieronymus, rechts sind es die Heiligen Leopold, Anna, Josef und Petrus.

Das 33 m hohe Kirchenhauptschiff ist mit einem Netzrippengewölbe mit
figuralen Schlusssteinen abgeschlossen, das von der Dombauhütte unter
Peter Prachatitz erbaut wurde und im Triumphbogen die Jahreszahl 1414
trägt. Die Breite des Kirchenschiffes beträgt nur knapp zehn Meter.
Der Chorraum folgt in seiner Form der polygonalen Apsis und ist mit
mindestens fünf hohen Spitzbogen-Chorfenstern versehen. Die vier
Fenster unmittelbar hinter dem Altar wurden mit erhaltenen gotischen
Glasgemälden (aus der Zeit zwischen 1349 und 1436)
zusammengesetztgestaltet, sie zeigen kleinteilige Bibelszenen. Gegen
das Kirchenschiff ist der Chor mit einem Triumphbogen abgesetzt. Die
Pfeiler im Hauptschiff sind stark profiliert und teilweise mit alten
Skulpturen versehen. Gegenüber dem Chor erstreckt sich über die ganze
Breite die 1515 eingebaute Westempore, deren Brüstung durch zartes
Maßwerk aufgelöst ist. Hier ist die Orgel installiert und der
Kirchenchor hat seinen Platz, weswegen die Empore auch Musikerempore
genannt wird.
Am Übergang vom Chorraum zum Langhaus befindet sich ein Triumphbogen,
der eine Bauinschrift von 1414 mit dem Wappen der Familie Liechtenstein
trägt. Die gotische Inschrift lautet: „Die reiche Spende des
Hofmeisters Johannes von Liechtenstein leitete das Werk ein, der sein
Vermögen daran gab, und Leonhard Schauer konnte es in Liebe zur
Gottesmutter vollenden. Die Hand des ersten Meisters Michael legte den
Grundstein, wobei der Umfang des Baues hinausgeschoben wurde; 1398
wurde daselbst nach der Stiftung des gestürzten Herrn begonnen, aber es
wurde 1414, bis die Vollendung kam. So merkt es euch, ihr Frommen, und
zu euren Spenden fügt Gebete hinzu, dass ihnen Gott der Herr die
Friedensruhe gebe."
Es wird auch von einem gotischen „Kreuz von Luck" berichtet, das an
dieser Schnittstelle möglicherweise im Zusammenhang mit einem damaligen
Kreuzaltar stand.

Angelehnt an eine Säule erhebt sich vor dem Chorbogen eine Kanzel mit
achteckigem Schalldeckel. Kanzel, Schalldeckel und Zugang sind
großflächig vergoldet und mit Ornamenten verziert.

Die große Orgel auf der
Westempore wurde im Jahre 1911 in der Orgelmanufaktur Matthäus
Mauracher jun. aus Salzburg erbaut. Sie ersetzte vorherige
Kirchenmusikinstrumente, die mit den Jahren ihrer Benutzung zusehends
unbespielbar geworden waren. Wiederverwendet wurde in diesem neuen
Instrument Pfeifenmaterial aus den Vorgängerorgeln, sowie der
Barockorgel, die auf der ehemaligen Musiker-Empore im Chorraum der
Kirche stand. Der neugotische Prospekt stammt in großen Teilen
ebenfalls von der Vorgängerorgel aus der Werkstatt von Friedrich
Deutschmann. Das spätromantisch disponierte Kegelladen-Instrument hat
36 Register auf zwei Manualen und Pedal. Die Spiel- und
Registertrakturen sind pneumatisch.

Eindrucksvoll sind die vier Apsisfenster, die mit ihrer mystischen
Farbkraft einen Eindruck von der ursprünglichen Lichtgestaltung in
Maria am Gestade geben. Die einzelnen Scheiben dieser Fenster sind zum
größten Teil nicht an ihrem ursprünglichen Platz, sondern wurden aus
Überresten aus anderen Fenstern des Kirchenraumes zu einem neuen Ganzen
zusammengestellt. Obwohl dadurch der durchgängige Erzählstrom gehemmt
ist, sind als Themenschwerpunkte Passion, Auferstehung und Himmelfahrt
Jesu, das Leben Mariens, Pfingsten sowie Wappenschilder zu erkennen.
Das zentrale Fenster ist oben ergänzt, wobei die modernen Farbtöne
durchaus mit dem Raumganzen harmonieren.

Die Errichtung des Chorraumes mit drei Gewölbejochen und 5/8-Schluss -
erkennbar an den fünf dreibahnigen Apsisfenstern erfolgte in östlicher
Verlängerung der spätromanischen Kirche. Architektonisch wurde in
Anklängen die Pariser Sainte-Chapelle (1248) zitiert, in welcher das
Ansehen einer französischen Palastkapelle mit der Würde eines
Reliquienschreines verbunden ist. Der Chorbau fällt in die gotische
Bauperiode des Albertinischen Chores des Stephansdomes, der
Minoritenkirche, der Deutschordenskirche und der Augustinerkirche.
Der Chorraum wirkt luftig und hell, wozu auch die vierbahnigen modernen
Butzenglasfenster beitragen. Jedoch hatte die gotische Durchfensterung
nicht die Absicht, den Raum aufzuhellen, sondern wollte die wunderbare
Wirkung des farbigen Lichts in Form einer leuchtenden Bilderwand
nutzen. Noch heute bespielt die Sonne am frühen Vormittag die Kirche
bis in den hintersten Winkel mit violett und rot leuchtenden
Lichttupfen aus den Apsisfenstern. Zwischen den spitzbogigen
Maßwerkfenstern wirken die Wandpfeiler wie Rahmen. Die mächtige
Schubkraft des Gewölbes wird durch sie und die äußeren Strebepfeiler
aufgefangen und abgeleitet. Die Schlusssteine im Scheitelpunkt des
Kreuzrippengewölbes halten den ganzen Bau zusammen und verbinden ihn
zur Einheit. Sie haben den beachtlichen Durchmesser von über anderthalb
Metern. Dargestellt sind auf ihnen die Symbole für die vier
Evangelisten: Mensch, Löwe, Stier und Adler.

Kapelle und Altar des hl. Klemens
Die polygonale Kapelle ist seit Mitte des 20. Jahrhunderts dem hl.
Klemens Maria Hofbauer gewidmet. 1987 wurde der Raum durch den
Bildhauer Oskar Höfinger mit einem runden Marmoraltar ausgestattet, in
dem sich der neugotische Schrein mit den Reliquien des hl. Klemens
befindet. Klemens Maria Hofbauer, dessen Überzeugung lautete: „Das
Evangelium muss neu gepredigt werden!", war ein wichtiger kirchlicher
Impulsgeber am Übergang von der Aufklärungszeit zur Romantik. 1751 im
südmährischen Tasswitz bei Znaim geboren, erlernte er zunächst das
Bäckerhandwerk, ehe er sich eine höhere Schulbildung aneignete und
schließlich in Wien das Theologiestudium aufnahm. In seinen jungen
Jahren pilgerte er mehrfach zu Fuß nach Rom. Schließlich lernte er dort
die damals noch junge Ordensgemeinschaft der Redemptoristen kennen und
trat in sie ein. Danach baute Hofbauer über zwanzig Jahre lang sehr
erfolgreich eine Ordensniederlassung in Warschau auf. Andere
Ansiedlungsversuche in Mitteleuropa blieben hingegen erfolglos. Als die
Warschauer Kommunität durch Napoleon zerschlagen wurde, kehrte sich
Klemens Maria Hofbauer 1808 Wien zu und wurde einer der gesuchtesten
Seelsorger der Kaiserstadt.
Neben seiner ausgeprägten Sorge für arme Menschen pflegte er Kontakt zu
zahlreichen Intellektuellen und Künstlern und war auch vielen Studenten
freundschaftlich zugetan. Seine Hauptwirkungsstätte war ab 1813 die
Ursulinenkirche. 1820 gestorben, wurden die sterblichen Überreste
Klemens Maria Hofbauers zunächst auf dem Romantikerfriedhof bei Mödling
beigesetzt, 1862 aber nach Maria am Gestade übertragen. Die
Marmordeckplatte des früheren Hochgrabes von Joseph Gasser (1862) wurde
1959 in der Klemens-Kapelle aufgestellt.
Kapelle mit dem Marmoraltar und Reliquienschrein des hl. Klemens Maria Hofbauer.

Marienaltar und Ikone „Mutter von der Immerwährenden Hilfe"
Der Entwurf des neugotischen Altares (1821) stammte von Friedrich
August von Klinkowström. Um 1830 geweiht und zunächst mit dem Bild des
hl. Josef in der Mitte versehen, wurde der Altaraufbau 1879 und 1912
neu gefasst und bereichert. Oben ist die Jungfrau Maria zwischen den
Heiligen Aloisius und Johann Berchmans zu sehen, auf den Säulen stehen
die größeren Figuren der Kirchenväter Ambrosius, Gregorius, Hieronymus
und Augustinus, zwischen denen die kleineren Statuen der Heiligen
Alfons (links) und Franz Xaver (rechts) eingesetzt sind.
Die Originalikone der „Mutter von der Immerwährenden Hilfe" aus Kreta
(14. Jahrhundert), wurde 1866 durch Papst Pius IX. der
Ordensgemeinschaft der Redemptoristen für ihre römische Hauptkirche S.
Alfonso nahe der Basilika S. Maria Maggiore übergeben. Von dort wurde
das Marienbild in viele Länder verbreitet als ein wichtiges
Identitätssymbol der Redemptoristen. Das in Maria am Gestade
befindliche Bild ist eine originalgetreue Kopie von 1867 (der Rahmen
wurde nach einer Zeichnung Joseph Führichs angefertigt). Die
Gottesmutter ist mit ihrem Sohn Jesus auf dem Arm dargestellt. Während
Maria sich den Bitten und Anliegen der Menschen zuwendet, scheint der
Blick Jesu in die Weite der Ewigkeit gerichtet. Die Erzengel Michael
und Gabriel tragen die Passionswerkzeuge. Bedeutungsvoll sind die
verschiedenen Farben der Ikone: Der Goldhintergrund symbolisiert den
Himmel, der tiefblaue Mantel Mariens mit den Sternen lässt an den
Nachthimmel denken, das rote Untergewand erinnert an Liebe und Leiden
als menschliche Grunderfahrungen, die Naturfarben Braun und Grün im
Gewand Jesu verweisen schließlich auf die Erdverbundenheit und die
hoffnungsstiftende Kraft des Christlichen. Die Ikone vermittelt einem
Himmelsfenster gleich Vertrauen auf den Beistand der Gottesmutter in
unzähligen menschlichen Nöten. Das Fest der „Mutter von der
Immerwährenden Hilfe" wird am 27. Juni gefeiert.
rexhts: Altar des hl. Alfons und Skulptur (18. Jh.) der hl. Barbara

In der Gotik hatten jede Form und jedes Motiv neben der ästhetischen
und funktionellen zugleich auch eine theologische Bedeutung. Schon der
Begriff „Maßwerk" deutet auf Gott, den Schöpfer, hin. Das durch die
Farbfenster einfallende Licht sollte den ganzen Kirchenraum in gebaute
Liturgie verwandeln. Neben der Sinndeutung als Abbild des himmlischen
Jerusalem wurden gotische Kirchen auch als Verbildlichungen des
mystischen Leibes Christi aufgefasst. Im Zusammenhang mit dieser
Interpretation ließe sich der eingangs erwähnte Achsenknick zum Chor,
über eine bautechnische Terrainanpassung des Fundaments in der schmalen
Häuserflucht am Donauufer hinaus, als ein Symbol für das geneigte Haupt
Christi am Kreuz verstehen.
Dominiert wird der Chorraum von dem Hochaltar aus dem Jahre 1846. An
der feierlichen Einweihung des ersten neugotischen Hochaltares in Wien
nahm Kaiser Ferdinand teil. Entwurf und Durchführung des Altares lag in
den Händen des Redemptoristen-Laienbruders Thomas Marzik. Dieser schuf
auch eine große Monstranz, welche den Hochaltar in filigraner
Goldschmiedearbeit imitiert. Hoch oben am Altar thront Gott-Vater
zwischen anbetenden Engeln. Der Hl. Geist ist als Taube im bis zum
Gewölbe strebenden Gesprenge dargestellt, das wie eine gewundene
Dornenkrone das Strahlenkranzkruzifix (1440) umrahmt. Der dreibogige
Baldachin erhält durch die Fialen den Charakter einer heiligen Kapelle.
Über dem Drehtabernakel, dessen Relief das Letzte Abendmahl zeigt, ist
auf einer Säule die barocke Gnadenstatue der Muttergottes (1750)
aufgestellt, welche von einem siebenstrahligen Stern umgeben ist.

Strahlenkranzkruzifix (1440)
Gnadenstatue der Muttergottes (1750)
Relief am Drehtabernakel: Letztes Abendmahl
Statuen der hll. Alfons von Liguori und Johannes Nepomuk am Hochaltar
An der nördlichen Wand seitlich des Hochaltares ist ein gotisches
Sakramentshäuschen (um 1414) angebracht. Sein Spruchband lautet: „Ecce
panis angelorum factus cibus viato-rum vere" („Siehe das Brot der Engel
ist wahrhaft zur Pilger-speise geworden").
Links und rechts vom Hochaltar sind zwei wertvolle, einzigartige und
ungewöhnlich große Tafelbilder aus der Zeit um 1460 angebracht. Sie
stammen vermutlich von einem spätgotischen Flügelaltar, der im Chor
aufgestellt war. Sie könnten aber auch einem Lettneraltar zugehörig
gewesen sein. Der Künstler ist unbekannt und wird als Meister von Maria
am Gestade bezeichnet. Stilistisch hat er maßgebliche
altniederländische Vorbilder (Jan van Eyck und Roger van der Weyden)
über oberrheinische Vermittlung genutzt. Die beiden Feiertagsseiten
zeigen mit „Mariä Verkündigung" (links) und „Mariä Krönung" (rechts)
die Jungfrau Maria mit blauem Kleid, weißem Mantel und offenen Haaren.
Die Verkündigung durch den Erzengel Gabriel an Maria ist dabei in das
spätmittelalterliche Ambiente einer Wiener Bürgerstube übersetzt.
Beachtenswert sind dabei vor allem das Interieur und die zahlreichen
Gebrauchsgegenstände. Als Botschaft vermittelt sich durch diese Szene,
dass Gott die Jungfrau Maria völlig überraschend mitten in ihrem Alltag
anspricht und beruft. Das Krönungsbild zeigt Maria in ihrer himmlischen
Vollendung. Damit wird der christlichen Hoffnung Raum gegeben, dass
Gott einen jeden Menschen bei sich im Himmel festlich empfangen und
vollenden möchte. Ein Engel hält Zepter und Weltkugel in Händen,
weitere 42 Engel singen und musizieren. Die gezeigten Musikinstrumente
ermöglichen Rückschlüsse auf die damals übliche kirchenmusikalische
Praxis. Der Thron Gottes geht in einen gefensterten Baldachin über und
zitiert damit die Portalbaldachine und die Maßwerfenster von Maria am
Gestade. Umgekehrt ließ sich Thomas Marzik im 19. Jahrhundert in der
Ideenfindung für seinen Hochaltar direkt von diesem Bild inspirieren.
Der Hintergrund des himmlischen Thronsaales ist lettnerartig
abgeschlossen. Auf den Rückseiten der Tafelbilder sind „Christus am
Ölberg" und die „Kreuzigung Christi" dargestellt. Es sind Bilder, die
zum Innehalten und Nachdenken, zu Meditation und Gebet einladen.
links: Spätgotisches Tafelbild eines ehemaligen Flügelaltars (um 1460): Verkündigung
rechts: Spätgotisches Tafelbild eines ehemaligen Flügelaltars (um 1460): Krönung Mariens

Die Kreuzwegstationen von Georg Kautzner, die 1861 zwischen die
Blendarkaden der Seitenwände des Chorraumes eingepasst wurden, sind
Nachahmungen der berühmten Kreuzwegbilder von Joseph Führich aus der
Nepomuk-Kirche in Wien II. und im sanften Stil der Nazarener gemalt. An
den Seitenwänden befinden sich die Apostelfiguren (1820) von links nach
rechts: Thomas, Simon, Jakobus d. J., Petrus, Johannes d. Ev., Jakobus
d. Ä., Paulus, Matthäus, Philippus und Bartholomäus.

An der Stelle des Langhauses der heutigen Kirche befand sich
ursprünglich eine Kapelle, die bereits im 9. Jahrhundert errichtet
worden sein soll. Sie hieß zur damaligen Zeit Unser Vrowen chapellen
auf der Stetten ze Wienne. Laut einer Sage geht der Bau auf den
Passauer Bischof Mafalvin (oder Maldavin) zurück, der den Missionar und
Baumeister Alfried mit dem Bau einer hölzernen Kapelle für das von den
Donauschiffern mitgeführte Marienbild beauftragt haben soll. Urkundlich
nachgewiesen ist die Maria-Stiegen-Kirche erstmals im Jahre 1158.
Indirekt erwähnt wurde sie erstmals 1137 (im Rahmen der Vorgeschichte
des Baues der Wiener Stephanskirche als eine der Kirchen der damaligen
Pfarre St. Peter), ausdrücklich erstmals in einem Dokument aus dem Jahr
1200.

Im Chorraum der Kirche unmittelbar neben der Kanzel (1820) befindet
sich ein Ende des 19. Jahrhunderts von Theophil Melicher gemaltes Bild
des hl. Gerard Majella (geb.
1726). Dieser war ein Zeitgenosse von Alfons von Liguori und gehörte
als Laienbruder der Ordensgemeinschaft an. Nachdem er 1755 noch in
jungen Jahren verstorben war, wurde er in Süditalien bald zu einem
wichtigen Fürsprecher in zahlreichen Anliegen. Bis heute wird er vor
allem von Ehepaaren mit Kinderwunsch sowie von schwangeren Müttern um
Hilfe gebeten. Sein Gedenktag wird am 16. Oktober begangen.

Am Südportal befinden sich außer den abgebildeten Figuren die Statuen
der Heiligen Klemens Maria Hofbauer, Kajetan, Philipp Neri und Gerard
Majella. Ansonsten zeigen die drei Kirchenportale Szenen aus dem
Marienleben in Mosaik, Relief und Skulptur.
Skulpturen am Südportal von Josef Beyer (1900): die hll. Maria
Magdalena und Alfons von Liguori sowie der Erzengel Michael und die hl.
Elisabeth

Maria am Gestade ist eine gotische römisch-katholische Kirche im 1.
Wiener Gemeindebezirk Innere Stadt, nahe dem Donaukanal. Sie war die
traditionelle Kirche der Donauschiffer. Der Name leitet sich von der
ehemaligen Lage der Kirche am Hochgestade eines Armes der damals noch
unregulierten Donau ab. Maria am Gestade zählt gemeinsam mit der
Peterskirche und der Ruprechtskirche zu den ältesten Kirchen Wiens. Sie
sit die älteste Marienkirche Wiens, erste urkundliche Erwähnung 1137.
Maria am Gestade gehört zusammen mit der Ruprechtskirche und der
Peterskirche zu den frühesten Kirchengründungen Wiens. Die Anlage
befindet sich an der nordwestlichen Ecke des ehemaligen Römerlagers
Vindobona. Das steile Schotterplateau zwischen dem früheren
Salzgriesarm der Donau und dem Ottakringerbach im heutigen Tiefen
Graben gab der Marienkirche ihren Namen: „Unsere Frau auf der Stetten",
nobler „Maria am Gestade", lateinisch „Sancta Maria in litore". Die
Stiegenaufgänge und eine moderne Skulptur am Haus Passauer Platz 5
halten die Erinnerung an die Zeit der Donauschiffer, Holzflößer,
Fischer und Salzhändler fest.
